Serviervorschlag
Ein Projekt zu vergessenen Städtebildern
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Isabelle

Isabelle wohnt seit über 20 Jahren in der Brennerstraße 80/82, ist damit aber die zuletzt eingezogene Bewohnerin des Hauses. Als sie wegen der Liebe (zur Stadt) nach Hamburg kam, zog sie in dieses Haus ein. Zwischen 2003 und 2006 lebte sie in einer WG gegenüber ihrer aktuellen Wohnung zur Zwischenmiete. Als sie auswandern wollte, konnte sie ihre Sachen in der Wohnung lagern. Da das Projekt „Auswandern“ jedoch scheiterte, es aber schon einen Nachmieter für ihr damaliges Zimmer gab, zog Isabelle übergangsweise in eine kleine Kammer der Wohnung. Als 2007 nebenan dann ein Zimmer frei wurde, zog sie rüber und nach einiger Zeit bot sich dann die Gelegenheit, die gesamte Wohnung zu übernehmen.

„Was mir am meisten fehlen wird, ist die Aussicht", seufzte Isabelle, während sie aus ihrem Fenster schaut. Für sie ist der Blick aus ihrem Fenster nicht bloß eine Aussicht auf die Straße oder die umliegenden Gebäude. Da sich die Wohnung im obersten Stockwerk befindet, bietet sie den besten Panoramablick im Haus. Von ihrem Wohnzimmer aus kann man all die Hamburger Sehenswürdigkeiten sehen – den Michel, den Fernsehturm usw. – während man in Bad und Küche die andere Seite von Hamburg betrachten kann.

Isabelle ist die Einzige im Haus, die im Winter noch mit ihren Kohleöfen heizt. Ihre sogenannten Allesbrenner, nicht schöne, aber sehr funktionale Öfen, bezeichnet sie als „ihre Haustiere“, weil jeder Ofen einen eigenen Charakter hat und unterschiedlich das „Futter“ aka Heizmaterial annimmt und verbrennt. Treu, zuverlässig und stets bereit, sie in den kalten Monaten warm zu halten. Wenn das Wetter langsam kühler wird, muss sie Holz und Briketts zur obersten Etage tragen – natürlich ohne Fahrstuhl. Manchmal helfen andere Nachbar:innen aus der Hausgemeinschaft und tragen das Heizmaterial bis zu ihrem Geschoss hoch, damit Isabelle nicht immer alleine bis ganz nach oben tragen muss. Auch wenn es nicht die praktischste oder komfortabelste Wohnsituation ist, würde sie das Knistern des Holzes und die warme Gemütlichkeit des Ofens sehr vermissen.